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IRAK /
Dem Zweistromland kann nicht von außen eine westliche Ordnung
übergestülpt werden. Eine erfolgreiche Reform muss die muslimische
Tradition aufgreifen
Suche nach Identität
Die Neugestaltung des Nahen Ostens
ist unvermeidbar, wenn die Region nicht noch weiter zurückfallen
soll. Aber sie wird länger dauern, als der Blick der USA reicht.
Und sie ist angewiesen auf die Reformkräfte in den Gesellschaften
selbst.
Autor: UDO STEINBACH
Es
ist nicht die Zeit der Schadenfreude, Genugtuung oder Besserwisserei.
Auch wenn viele Züge des Vorgehens der amerikanischen Regierung
gegen den irakischen Diktator die internationale Gemeinschaft
schockiert und weithin in der islamischen Welt eine bislang in
dieser Form nicht da gewesene Gewalttätigkeit erzeugt haben – in
dem Terrorakt von Madrid am 11. März 2004 hat sie ihren
letzten Exzess gezeitigt –, gilt es in erster Linie, Lehren zu
ziehen. Denn mag auch der Krieg gegen Saddam Hussein aus einer
spezifischen Machtkonstellation in Washington und aus
Machtinteressen einer Gruppe neokonservativer Politiker dort zu erklären
sein, so hat doch sein Ergebnis, das Ende eines jahrzehntealten
Regimes, mit Blick auf die künftige politische Landschaft im Nahen
Osten eine historische Logik.
Die
Beseitigung des Machtzentrums im Irak in Gestalt des totalitären
Baath-Regimes in Bagdad hat einen Staat zerfallen lassen, der Züge
einer von Großbritannien seinerzeit geschaffenen Künstlichkeit nie
hat verbergen können. Der Zerfall von Staaten und Regimen, der
unmittelbar nach dem Ende des Ost-West-Konflikts auf dem Balkan
begonnen hat, hat den Nahen Osten erreicht.
Damit
ist der Blick auf die Zukunft im Lichte der Geschichte geöffnet:
Auf dem Territorium der 1918 untergegangenen Vielvölkerreiche
Habsburg, Osman und – mutatis mutandis – des zaristischen
Russland entstanden in den zwanziger Jahren staatliche und
politische Ordnungen, die im Kontext einer sich erst vage
abzeichnenden neuen internationalen Ordnung keinen Bestand mehr
haben beziehungsweise unter Druck geraten. Nach Jugoslawien, dem südlichen
wie nördlichen Kaukasus ist der Irak der erste Staat im Nahen Osten,
der sich als gescheitert erweist. Die Menschen auf seinem ehemaligen
Territorium sind herausgefordert, die Grundlagen neuer Staatlichkeit
zu schaffen und nach Regimen zu suchen, die ihren eigenen
Leitvorstellungen für politisches und gesellschaftliches
Zusammenleben entsprechen. Dabei kommt der Religion – insbesondere,
aber nicht ausschließlich der islamischen –, der ethnischen Zugehörigkeit,
der Kultur und der geschichtlichen Erfahrung der Menschen selbst
eine politikbestimmende Rolle zu.
Der
Wandlungsprozess wird vor kaum einem Staat und kaum einer
politischen Ordnung in der Region Halt machen. Wie das Aufbegehren
unter den Kurden in Syrien in jüngster Zeit gezeigt hat, hat der
Druck Damaskus erreicht. Dies gilt auch für andere Staaten,
insbesondere Saudi-Arabien, dessen Regierung nunmehr einen militant-islamistischen
Gegner bekämpft, den das Regime, solange er außerhalb des Landes
operierte, gewähren ließ, ja ideologisch und materiell unterstützte.
Auch die Grundlagen der Systeme des Vorderen Orients und auf der
Arabischen Halbinsel wurden unter den Augen Englands in den
zwanziger Jahren gelegt und sind nicht ohne die Interessen dieser
imperialen Macht zu erklären.
Mit „Demokratie“ meinen die Schiiten ihre Machtübernahme
Insbesondere
aber muss auf eine zentrale und noch immer offene Frage eine Antwort
gefunden werden, die ebenfalls im Gefolge des Ersten Weltkriegs
aufgeworfen wurde; sie stellt sich in diesen Tagen mit nicht
geringerer Aktualität als die Frage nach der Zukunft des Irak: Was
ist das Ergebnis der zionistisch motivierten Einwanderung nach Erez
Israel beziehungsweise Filastin (Palästina)? Ist es der Staat
Israel, der 1948 gegründet wurde, oder war die Staatsgründung –
wie der revisionistische Flügel der zionistischen Bewegung es
gesehen hat – nur ein strategischer Halt auf dem Weg zu einem
Staatswesen, das letzten Endes weitere Gebiete auch jenseits der
israelischen Grenzen von 1948/49 umfassen würde?
Ist
die Erkenntnis der historischen Dimension des Geschehens in und um
den Irak eine erste Lehre aus den Entwicklungen seit dem Sturz des
Regimes in Bagdad im April 2003, so ist eine zweite Erkenntnis, dass
das westliche Demokratiemodell nur in begrenzter Weise
Vorbildcharakter für die Menschen im Nahen und Mittleren Osten (und
darüber hinaus in der islamischen Welt) hat. Hier soll nicht dem
Vorurteil das Wort geredet werden, die „islamische Welt“ sei außergewöhnlich
demokratieresistent, beziehungsweise „der Islam“ sei mit „Demokratie“
nicht zu vereinbaren. Die Türkei oder die jüngsten Wahlen in
Malaysia am 21. März 2004 und in Indonesien am 5. April
2004 sind ermutigende Beweise des Gegenteils.
Die
Konflikte im Irak, die unmittelbar nach dem Ende des gestürzten
Regimes ausgebrochen sind, lassen vielmehr erkennen, dass bei allem
Triumph über das Ende des alten Regimes, unter dem die meisten
Iraker gelitten haben, und bei aller Zuversicht, nunmehr eine neue
Ordnung aufzubauen, die mehr politische Teilhabe und
Selbstverwirklichung verheißt, nicht eine liberal-demokratische
Ordnung, die jedem Bürger einen gleichen Platz und individuelle
Freiheit in Gesellschaft und Staat verheißt, im Vordergrund der
politischen Aspirationen steht.
Wenn
Ajatollah Ali al-Sistani von Demokratie im Irak spricht, so meint er
damit zuvörderst die Machtübernahme der schiitischen arabischen
Mehrheit im Land, der seit der Staatsgründung des Irak durch
Manipulation der Briten seinerzeit ebendiese Macht vorenthalten
wurde. So nimmt es nicht wunder, dass er mit diesem gut gemeinten
Vorschlag an die Adresse der USA bei anderen religiösen oder
ethnischen Gruppen auf Vorbehalte, bisweilen sogar auf bewaffnete
Ablehnung stößt. Dies nicht, weil das Prinzip demokratischer
Mechanismen grundsätzlich verworfen würde; aber der Anerkennung
des Ergebnisses einer demokratischen Abstimmung muss noch die Klärung
einiger – für unterschiedliche Gruppen essenzieller – Fragen
vorangehen, die in der langen Ära der Baath-Diktatur unterdrückt
wurden.
Zunächst
die Frage nach der Rolle der Religion: Die behutsame Formulierung in
dem Verfassungsentwurf, auf den sich die Unterzeichner
unterschiedlicher Gruppen am 8. März 2004 verständigt hatten,
wurde von wichtigen Persönlichkeiten unmittelbar nach der
Unterzeichnung widerrufen. Daran, dass diese Frage entschieden wird,
herrscht bei wichtigen Gruppen und Akteuren, insbesondere unter den
arabischen Schiiten, ein größeres Interesse als an der Perspektive,
ein System zu errichten, das dem Einzelnen individuelle Freiheiten
garantiert. Und darüber, wo zwischen dem Laizismus der Baath-Partei
und einer islamischen Republik der Ort der Religion sei, wird noch
hart gestritten werden.
Für
die Kurden – um eine zweite Verwerfung zu nennen – geht eine
Entscheidung über eine Staatsstruktur, die ihnen weit reichende
Autonomie im Sinne einer kurdisch-„nationalen“ Selbstbestimmung
erlaubt, einer Demokratie voraus, die auf der Grundlage einer
zahlenmäßigen Mehrheit auf die Machtübernahme der
schiitisch-arabischen Gemeinschaft in Bagdad hinausläuft. Dass
Ajatollah al-Sistani, der „Demokratie“ fordert, von einem
dergestalt föderalen System wenig hält, hat er in der Diskussion
über die Zukunft des Irak nicht verschwiegen.
Demokratie
im Nahen Osten einzupflanzen wird nur gelingen, wenn sie mit dem in
Einklang gebracht wird, was die Menschen als das Eigene werthaft
wahrnehmen; dieses wurzelt in der Religion, Kultur und Tradition.
Auf eine subtile Weise deutet dies auch der im Westen so viel
zitierte „Arab Human Development Report“ an, der für die Jahre
2002 und 2003 von UNDP und dem Arab Fund for Economic and Social
Development (AFESD) gesponsert und herausgebracht wurde. Verfasst
von arabischen Intellektuellen, stellt er – neben
wissenschaftlichen Erkenntnissen – ein aussagekräftiges Dokument
der Befindlichkeit von Vertretern der Araber dar, die ihren Platz in
der Welt des beginnenden 21. Jahrhunderts suchen.
In
einem kurzen Text wird Folgendes ausgeführt: Der arabische Begriff
für „Regierung“ sei „hukuma“; er basiere also – gemäß
der Struktur arabischer Begriffsbildung – auf den drei
Wurzelkonsonanten „hkm“. Vokalisiert als „hakim“ (Weiser,
Arzt) oder „hikma“ (Weisheit), stehe „Regierung“ also in
einem Bedeutungsfeld, das als Charakteristikum guter Herrschaft
nicht die Sorge für die individuelle Freiheit und Mitbestimmung des
Einzelnen im Sinne von „politeia“, sondern die weise Führung
der Gemeinschaft in den Vordergrund stelle. Zentraler Inhalt der
Weisheit sei die „Gerechtigkeit“. Dass damit dem Begriff der „Regierung“
eine religiöse Konnotation gegeben wird – die Grundlagen von
Gerechtigkeit sind im Koran gelegt –, ist für Muslime selbstverständlich.
Es gibt keine Blaupause für die Türkei, Marokko und Iran
Der
entscheidende Punkt ist, ob und wie es gelingt, ein System zu
schaffen, in dem der Bürger teilhat an Regierung und Verwaltung,
das aber zugleich kompatibel ist mit dem, was der muslimische Bürger
als wesentlich und unerlässlich mit Blick auf seine Religion, seine
durch Kultur geprägte Identität und seine geschichtliche Tradition
betrachtet. Ohne einen Bezug darauf wird es in der islamischen Welt
kaum stabile politische Systeme geben, an denen die Menschen in „demokratischer“
Weise teilhaben.
Im
Hinblick auf den anstehenden Wandel und die Ablösung überlebter
autokratischer Systeme insbesondere im Nahen und Mittleren Osten
bedeutet dies zweierlei:
Zum
einen gibt es keine Blaupause für Demokratie in der islamischen
Welt – und schon gar nicht die Reproduktion eines aus dem Westen
importierten Demokratiemodells. Immer gilt es, die besonderen religiösen,
kulturellen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Traditionen
einer jeden Gesellschaft mit dem Wesentlichen von Demokratie, dem
Respekt vor der Würde des Menschen und deren Absicherung gegenüber
dem Staat, zu einer Synthese zu bringen. Dabei werden sich ganz
unterschiedliche Systeme ergeben, die durchaus auch andere
Erscheinungsformen annehmen können als eine „westliche Demokratie“.
Ohne Palästinenserstaat wird der Neuanfang scheitern
Die
Türkei mit ihrem radikalen Prozess der Annäherung an Europa weist
andere Rahmenbedingungen der Demokratie auf als zum Beispiel Marokko
mit seiner langen Tradition einer sich religiös legitimierenden
Monarchie oder die Arabische Halbinsel mit ihren tribalen Strukturen
und einem konservativen Islam, der das Leben der Menschen immer
stark bestimmt hat. Anders wiederum ist die Ausgangssituation im
Iran, in dem die schiitische Richtung des Islam die Gesellschaft
geprägt hat; und wieder andere Rahmenbedingungen bestehen in Südostasien
mit den nachwirkenden Einflüssen hinduistischer und buddhistischer
Kulturen.
Zum
anderen ist „Demokratisierung“ in der islamischen Welt im
vorstehend angedeuteten Sinn nur als Prozess zu sehen. Die Türkei
hat Jahrzehnte gebraucht, um – dies ist die Lehre der Wahl vom
November 2002 – einen Prozess der Versöhnung von Staat und
Gesellschaft zustande zu bringen, in der sich die Anerkennung einer
gesellschaftlichen Rolle des Islam mit einer Demokratie verbindet,
die am Ende auch Mitglied im „Club“ europäischer Demokratien
werden möchte und wahrscheinlich könnte. Im Iran suchten die
Menschen nach dem Sturz des Schahs und der Errichtung einer
islamischen Republik eine Ordnung, die aber die demokratischen
Hoffnungen nicht erfüllte, sondern zu einer Theokratie mutierte.
Seit Mitte der neunziger Jahre ringen sie mit einer Form der
Demokratie, in der sich Elemente des schiitischen Islam mit der
Machtausübung durch das Volk und dem Respektieren der
Menschenrechte verbinden lassen. Die manipulierten Wahlen vom 20. Februar
2004 haben einmal mehr gezeigt, dass dies ein langer Weg ist.
So
muss auch die Demokratisierung des Irak als historischer Prozess
gesehen werden. Dies umso mehr, als die Menschen unterschiedlicher
religiöser und ethnischer Zugehörigkeit zunächst einen
Grundkonsens darüber herstellen müssen, ob sie überhaupt noch in
demselben Staat zusammenleben wollen. Die Verschiedenheit der religiösen,
kulturellen und gesellschaftlichen Traditionen zwischen den Gruppen
im alten Irak lässt das Ausmaß der Schwierigkeiten ahnen, diese zu
einer von allen geteilten Identität als Voraussetzung legitimierter
demokratischer Willensbildung zusammenzuführen.
Die
nach dem Sturz Saddam Husseins entstandene chaotische Lage im Irak
beweist, wie unrealistisch, weil unhistorisch die amerikanische
Erwartung war, man könne durch eine Intervention von außen nach
der Beseitigung der alten Ordnung eine demokratische Neuordnung des
gesellschaftlichen und politischen Systems „der Iraker“ –
angelehnt an ein westliches Demokratiekonzept – vornehmen. Der
immer wieder hergestellte Vergleich mit Deutschland und Japan nach
dem Zweiten Weltkrieg bestätigt den Mangel an historischer Urteilsfähigkeit.
Dabei wurden nicht nur die Lage im Lande selbst und das „Projekt
Demokratie“ falsch eingeschätzt. Vielmehr trat eine andere
Facette im politischen Selbstverständnis nahezu aller Araber hinzu,
ohne deren Respektierung es auf demokratischen Mechanismen beruhende
Machtausübung und Stabilität im Nahen und Mittleren Osten nicht
geben kann: die Palästinafrage. Dies gilt in besonderem Maße für
den Irak.
Für
die sunnitisch-arabische Elite als historischer Speerspitze eines
panarabischen Engagements und für viele schiitische Führer seit
der Revolution in Teheran als Speerspitze einer sich islamisch
verstehenden Befreiungsbewegung hatte die Palästinafrage einen
hohen politischen wie emotionalen Stellenwert. Weithin in der
arabischen Welt (und darüber hinaus) herrscht die Wahrnehmung, dass
sich der amerikanische Präsident zum Helfershelfer einer Politik
des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon gemacht habe,
die auf die militärische und politische Eliminierung des „palästinensischen
Problems“ und auf eine „Lösung“ gerichtet ist, die weite
Teile der Westbank dem israelischen Staatsgebiet zuschlägt.
Dass
der amerikanische Präsident George W. Bush gegenüber dem
israelischen Ministerpräsidenten bei dessen Besuch in Washington im
April 2004 einem Plan der Annektierung von Siedlungsgebieten auf der
Westbank grünes Licht gegeben hat, bedeutet einen weiteren
dramatischen Vertrauensverlust für den amerikanischen Präsidenten.
Diesem dürfte es künftig noch schwerer fallen, die Araber davon zu
überzeugen, dass seine Politik von Gerechtigkeit und der
aufrichtigen Absicht geleitet ist, mit seinem Demokratiekonzept den
Menschen in der Region eine neue, lebenswerte Ordnung zu bringen.
Durch seine kritiklose Allianz mit der Regierung Israels, der „einzigen
Demokratie im Nahen Osten“, die sich nicht zuletzt durch
anhaltende Besatzung und willkürliche Tötungen über das
internationale Recht und die Regeln der Humanität hinwegsetzt, trägt
er vielmehr auch dazu bei, das Konzept der Demokratie zu
diskreditieren.
Gleichwohl
– der Nahe Osten steht an einer historischen Wegmarke, und
Neuordnungen sind unvermeidbar, soll diese Region nicht noch weiter
hinter die Standards von Moderne und Entwicklung zurückfallen. Die
Autoren der genannten Berichte von UNDP und AFESD reflektieren, dass
dies unter den Eliten im Nahen Osten erkannt worden ist. Europa wäre
gut beraten zu erkennen, dass darin auch eine Herausforderung an
seine Politik liegt. In dem Maße, in dem sich für die EU
weltpolitische Koordinaten wandeln, tritt die Partnerschaft mit dem
Raum zwischen Marokko und Afghanistan in ein neues Licht.
Europa
muss ein großes Interesse an der Zukunft dieses Raumes und damit
auch an der Richtung seines Wandels haben. Nach dem Gesagten aber
kann sich dies nicht durch Einflussnahme von außen artikulieren.
Die im Lichte von Religion, Kultur und Geschichte einzige Form der
Anteilnahme daran kann nur die Rolle eines Moderators zwischen jenen
Kräften sein, die nach einer Neuordnung suchen, die die Moderne (dazu
gehört auch eine Form demokratischer Willensbildung) akzeptieren,
ohne das Eigene aufzugeben. Dies bedeutet eine deutlich
nachhaltigere und mutigere Hinwendung zu ihnen, die auch kritische
Distanz zu den Herrschenden nicht scheut.
Damit
ist auch ein umfassendes entwicklungspolitisches Angebot verbunden.
Gelegentlich erwecken europäische Politiker den Eindruck, als hätten
sie das begriffen; ein konkretes Konzept freilich ist noch nicht
erkennbar. Das gilt auch für Deutschland, das in dieser Perspektive
von Wandel durch Kooperation eine besondere Rolle zu spielen hätte.
Die Nagelprobe für die Ernsthaftigkeit dieser neuen
Politikorientierung und für die Glaubwürdigkeit der Europäischen
Union in Sachen „Demokratie“ wäre eine deutlichere Sprache mit
Blick auf Recht und Unrecht der Akteure in jenem Konflikt, dessen
Auswirkung sich kaum jemand im Nahen Osten entziehen kann und dessen
gerechte Lösung die Voraussetzung für einen demokratischen Wandel
in der Region ist. Dieser Sprache müssten allerdings auch Taten
folgen.
Professor
Dr. Udo Steinbach ist Direktor des Deutschen Orient-Instituts in
Hamburg.
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